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07.12.2019 07:41:50


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Eine eigene Dorfschule

 

1764 ernannte Solothurn eine Ehrenkommission, welche die Schulverhältnisse im Amtsbezirk Olten begutachten sollte. Darauf hin beschloss der Rat, für die Ortschaften im Werderamt drei regionale Schulen zu errichten:
  • in Dulliken,
  • in Gretzenbach, für die Kinder aus der Wöschnau, Eppenberg, Schönenwerd, Gretzenbach und Däniken
  • im Rothacker (bereits bestehend) wo die Kinder vom Rothacker, Krähenthal, Walterswil, aus der Lischmatt, dem Chrummacher, Hennenbühl, Chrisental, Gulachen und vom Grod beim Schulmeister Johannes Schibler (aus Däniken) in den Unterricht gingen.
Als Gehalt erhielt Johannes Schibler jährlich 3 Gulden aus der Kirchenkasse von Gretzenbach, dazu von jedem Kind das übliche Schulgeld, bestehend aus einem Scheit Holz und einen halben Batzen. Die Kinderzahl war sehr klein, der Ertrag also sehr gering. Die Kommission schlug deshalb vor, eine Juchart Allmendland umzubrechen und dem Schulmeister zur Benützung zu übergeben, „es sei ja genug solches Allmendland vorhanden, so dass niemand sich beschweren könne“.

Die Kinder von Däniken, Eich und aus der Hagnau besuchten die Schule in Gretzenbach. Diese war mit einer oberen und einer unteren Stube im Sigristenhaus neben der Kirche eingerichtet. Das Sigristenhaus konnte 70–80 Kinder fassen.
Zusätzlich zu den 7 Gulden als festen Lohn, bezog der Schulmeister ebenfalls das übliche Schulgeld, wie oben erwähnt, pro Kind und Woche einen halben Batzen und ein Scheit Holz.
Blieb ein Kind der Schule fern, musste das Schulgeld gleichwohl entrichtet werden. Bei Zuwiderhandlung verhängte der Vogt eine entsprechende Strafe.

Da der Lehrerlohn allgemein sehr niedrig war, hatten die Lehrer in der Regel zusätzlich einen Nebenerwerb. Dieser reichte vom «lismen» über Taglöhnerei, Gesetze und Beschlüsse, Proklamationen und Dekrete öffentlich in und ausserhalb der Kirche zu verlesen und bekannt zu machen, das Volksblatt vorzulesen und zu erklären, bis hin zum Friedensrichter.

Im «Mösch-Bericht von 1768» steht zum Lohn des Lehrer in Gretzenbach:
Zitat: «… Weil man fühlte, dass diese Besoldung nicht hinreiche, um einen guten Schulmeister zu erhalten, hätte man die Lehrstelle am liebsten dem Sigristen übertragen, der von der Kirche freien Haussitz und ein festes Einkommen hatte.
Der amtierende Sigrist scheint aber nicht fähig gewesen zu sein, die Schulführung zu übernehmen. Man gedachte daher, Johann Schenker von Däniken (genannt Hansen) als Schulmeister anzustellen. Für die Zukunft aber sollte der jeweilige Sigrist, sofern er die notwenigen Kenntnisse im Schreiben und Lesen besitze, ein Vorrecht auf den Schuldienst haben.» (Ende Zitat).

1783 beim Stellenwechsel wurde wieder nicht der Sigrist Nachkomme im Lehreramt, sondern Josef Schenker, der Sohn vom abtretenden Johann Schenker.
1799 folgte Claus Schibler wieder ein Däniker. Doch dieser wurde bereits 1800 vom Erziehungsrat als unfähig erklärt und abgesetzt.

Angesicht dieser Situation hat sich Däniken beim Erziehungsrat für eine eigene Schule eingesetzt und beantragt, dass Claus Schibler an der Däniker Schule unterrichten dürfe.
Aber so schnell ging die Loslösung von Gretzenbach nicht über die Bühne. Es gab etliche Schwierigkeiten und viel zu reden. Erst am 25. November 1801 hat der Erziehungsrat beschlossen, dass die Gemeinde Däniken eine eigene Schule einrichten und ihr gewünschter Lehrer Claus Schibler dort unterrichten dürfe.

Das Haus an der Oberdorfstrasse diente als Schulhaus. Es bestand aus zwei Schulzimmern, für je etwa 30 Schüler. Zu jener Zeit zählte Däniken und seine Weiler ungefähr 60 Schulkinder. Im Verlauf der Jahren wurden es immer mehr Kinder. Ende des 19. Jahrhundert waren es weit über 100 Kinder! Seit 1895 führte die Josefsanstalt eigene Schule. Das war nur eine kleine Linderung des Problems.

Tatsache ist, dass die Volksschule in Däniken aus allen Fugen geraten ist. 1905 forderte der Regierungsrat die Gemeinde auf, ein neues Schulhaus zu bauen.
In der Folge wurde 1906 das Schulhaus auf dem Bühl gebaut. Man entschied sich für drei Klassenzimmern, einem Arbeitsschulzimmer und einer Turnhalle im Keller, die auch als Singsaal und Versammlungslokal diente. Im obersten Stock befand sich eine Abwartswohnung.

Um die Finanzierung von 60’000.- Franken sicherzustellen, beschloss die Gemeindeversammlung, dass jede Däniker Haushaltung einen Beitrag von mindestens 10 Franken leisten müsse. Adolf Hagmann aus Schönenwerd spendete Fr. 1’000.-. Zudem soll eine Lotterie durchgeführt werden. Weitere Fr. 200.- wurden gesprochen, damit der Präsident der Kommission nach Wien reise, um August Schenker-Angerer, Adoptivsohn von Gottfried Schenker, Transporte in Wien, für eine Spende zu überzeugen. Das wurde mit 2´500 Franken beantwortet.
Ferner wurde der Gemeindeschreiber beauftragt, sich beim Schweizer Konsulat in Odessa (heute Ukraine, damals Teil von Russland) über die Vermögensverhältnisse eines Däniker Bürgers in Riga (heute Hauptstatt von Lettland, damals Teil von Russland) zu erkundigen.

Die feierliche Einweihung mit über 300 Gästen, Schüler 177 und der Bevölkerung fand am 2. Juni 1907 statt.

Autorin: Marianne Frei

Nachfolgendes Foto
Schulanlage Bühl: Schulhaus 1, eingeweiht 1907 (im Hintergrund links: Bühlhalle)

Schulanlage Bühl: Schulhaus 1, eingeweiht 1907
 

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